Ausstellung vom 06.05.2008 bis 14.09.2008
Wenn Worten Nasenflügel wachsen
Die Siegburger Galeristin Luzia Sassen präsentiert im Landgericht Bonn
zwei junge Künstler aus Köln. June Ueno und Sascha A. Lehmann zeigen
dabei auf drei Ebenen ihre Arbeiten aus den Bereichen Fotografie, Malerei
und der Wortmalerei.
Eröffnet wird die Ausstellung am Dienstag, dem 06. Mai 2008 um 19.00 Uhr
im Landgericht Bonn, Wilhelmstr. 21.
Bonn - Betritt man das
Erdgeschoss des weitläufigen Lichthofes im
Bonner Landgericht, so blicken einem zahllose Augenpaare von großen
Leinwänden entgegen. Von Heiterkeit bis Schwermut spiegeln die
schwarz-weißen Gesichter offensichtliche Gefühle wider. Doch wer
weiß schon, was die abgebildeten Personen darauf wirklich empfinden.
Bei Sascha A. Lehmann erfährt man es. Dabei widerspricht der 32-jährige
Maler und Lyriker überzeugend der These, ein Bild sage mehr als 1000
Worte. Als Gegenbeweis bestehen seine Bilder ausschließlich daraus.
Auf jeweils ein Quadratmeter großen Leinwänden schreibt er Portraits und
verleiht damit seinen Texten ein Gesicht - im wahrsten Sinne des Wortes.
Teilweise gehören Bild und Text dabei untrennbar zusammen, im Falle des
Papstbildnisses dagegen scheint deren Diskrepanz nicht größer sein zu
können: Der Beipackzetteltext einer Antibabypille lässt Benedikt XVI.
entstehen. Die Nähe zu den Bildern ist für die Wahrnehmung dieser
vielschichtigen Arbeiten alles entscheidend. So wird aus einem, mit
Abstand betrachtet, fast fotografisch anmutenden Bild bei zunehmender
Annäherung ein Wort für Wort lesbarer Text. Die gerade sichtbare Ebene
ist hierbei also eine Frage der Perspektive.
Im ersten Stock des
Hauses begegnet man Fotografien von June Ueno. Die Arbeiten des
38-jährigen Japaners zeichnen sich durch eine beeindruckende Tiefe aus,
die den Betrachter dadurch förmlich aufsaugen. Kontraste und Perspektiven
prägen die Bildkompositionen. Fassaden, Fluchten und Figuren bieten
seiner Kamera scheinbar die Stirn. Treten ihr entgegen und breiten ihre
Oberflächen aus. Räume entstehen und werden greifbar. Durchblicke und
Spiegelungen fordern zusätzlich auf, sich innerhalb eines jeden Bildes
neu zu orientieren. So zeigt Ueno stets auch die andere Seite, das, was
dem ersten Blick verborgen bleibt. Das, was der Wahrheit gegenübersteht.
Das, was der Gegenwart die Vergangenheit ist. Und ein stückweit
dokumentiert Ueno damit auch sein eigenes Sein, da er Fotos stets als
Beweise dafür betrachtet, dagewesen zu sein und es gesehen zu haben.
Auf der obersten Ebene des Gebäudes begegnet man erneut Arbeiten von
Sascha A. Lehmann, diesmal aber seiner Malerei aus den Jahren 2004 bis
heute. In Öl auf Leinwand erarbeitet er hierin filigrane, kontrastreiche
Phantasielandschaften. Unwirtliche und ungreifbare Gegenständlichkeit
prägen die ausnahmslos blau gehaltenen, teils großformatigen Werke, unter
denen sich einige Dyptichen und Tryptichen befinden. Auch diese Bilder
werden bei ihm von Lyrik begleitet. Eine Arbeit hält dabei auch den
Übergang von seiner Malerei zur Wortmalerei fest. Hier bekommt man nun
anschaulich die Antwort auf die eventuell im Erdgeschoss gestellte Frage,
wie er überhaupt auf den Stil der Wortmalerei gekommen sein mag.
Zur Eröffnung spricht Dr. des. Christina Rosnersky, musikalisch wird
die Eröffnung vom Bergischen Bläserquintett begleitet.
Die Ausstellung ist noch bis zum 14. September 2008 im Landgericht Bonn
zu sehen.